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Autoren-Klischees – Schriftsteller sind reich und genießen etliche Privilegien …

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Autoren-Klischees – Schriftsteller sind reich und genießen etliche Privilegien …

Februar 6, 2018      In Just for fun ... No Comments

Viele Autoren-Klischees hören meine Kollegen und ich immer wieder und deswegen möchte ich euch gerne ein paar davon vorstellen.

🤪 Autoren-Klischees #1: “Schreibe ein Buch und du bist schon bald Multimillionär!” 🤪

Vom Schreiben wird man reich, wenn man nur genügend Talent und Durchhaltevermögen besitzt?

Leider nicht, denn Fakt ist, dass es nur ganz, ganz wenige Autoren gibt, die durch das Schreiben wirklich reich geworden sind. Die allermeisten Autoren können vom Schreiben noch nicht einmal leben, sondern benötigen einen Zweitjob oder die Unterstützung der Family, um das tun zu können, was sie wirklich lieben. Mit Talent und Durchhaltevermögen schafft man es, dass ein Manuskript überhaupt erst veröffentlicht wird, denn der Weg zum Verlagsvertrag ist lang und steinig. Aber selbst mit vier, fünf oder noch mehr veröffentlichten Büchern kann man noch lange nicht sein Lebensunterhalt bestreiten. Kleines Beispiel gefällig?

Für Taschenbücher erhalten Autoren rund 5% bis 8% vom Nettoladenpreis, meist abhängig von den der Anzahl der bereits verkauften Exemplare bzw. wie bekannt man schon ist. Für einen eher unbekannten Autor oder für ein neues Werk sind also meist die 5% anzusetzen. Wird das Taschenbuch dann für 9,95 Euro verkauft, bedeutet das, pro verkauftem Exemplar erhält der Autor in etwa 47 Cent. Und von diesen 47 Cent gehen noch Steuern, Krankenkassengebühren etc. ab!

Überlegt man zusätzlich, dass der Autor vielleicht ein halbes Jahr an dem Buch geschrieben hat und in 2017 das durchschnittliche Bruttoarbeitsentgelt bei 37.103 Euro gelegen hat (Quelle: Deutsche Rentenversicherung), dann müsste der Autor fast 40.000 Exemplare verkaufen, um diesen durchschnittlichen Lohn zu erhalten. Und 40.000 Exemplare sind eine irre Menge, ich kann davon zum Beispiel nur träumen.

Bei eBooks sieht das übrigens recht ähnlich aus, zwar sind die Honorarprozente dort üblicherweise höher, dafür wird nicht der Nettoladenpreis des Buchs, sondern der Nettoverlagserlös zu Grunde gelegt und dieser ist deutlich niedriger.

Also zusammengefasst: Bei meinem vorherigen Job als Mathematikerin im Risikomanagement einer großen Bank standen meine Chancen wesentlich höher Multimillionärin zu werden. Heute verdiene ich um einiges weniger, ich könnte davon (zumindest bislang) weder mich, geschweige denn meine Familie ernähren. Trotzdem kann ich es mir gar nicht mehr vorstellen, etwas anderes zu tun, als zu Schreiben. Mit jeder getippten Seite werde ich nur noch süchtiger, mit jeder positiven Lesermeinung von euch fiebere ich noch mehr der nächsten Veröffentlichung entgegen! Ich möchte euch wieder und wieder in meine fantastische Welten entführen und all die zahlreichen Ideen, die bereits jetzt in meinem Kopf herumspucken, schreien förmlich danach, niedergeschrieben zu werden, damit sie euch ebenfalls in den Bann ziehen können!

Für mich war die berufliche Veränderung also perfekt, wer jedoch wirklich reich werden möchte, der sollte lieber einen anderen Job wählen. 😉


🤪 Autoren-Klischees #2: “Schriftsteller kriegen Rabatte bei allen gängigen Bücher-Shops!” 🤪

Ich wurde bereits mehrmals gefragt, ob ich als Autorin nicht weniger für meine Büchereinkäufe bezahlen müsste. Und da ich selbst ebenfalls eine begeisterte Leserin bin, wäre das natürlich traumhaft schön!

Alleine die Vorstellung, wie ich mich durch die Regale im Thalia, Hugendubel, Weltbild & Co wühle, mit einem ganzen Stapel Bücher im Arm an die Kasse gehe und dort verkünde: “Übrigens, ich bin auch Schriftstellerin!”

Und prompt wird mir der nette Verkäufer/die nette Verkäuferin erwidern: “Ach ja, dann kriegen Sie die Romane von Kai Meyer, Cassandra Clare, Markus Heitz und Kim Harrison natürlich für nur 33,48 Euro anstatt 66,96, Frau Kratt. Wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!”

Nur leider, leider … Wir Autoren kriegen keine Rabatte in den Bücher-Shops. In keinem einzigen.  *heul*

Lediglich unsere eigenen Bücher können wir ein klein wenig preiswerter erwerben, aber wir haben sie ja auch geschrieben 😉

Wie sieht also meine Lösung aus, wenn ich doch selbst so gerne lese, aber als Schriftstellerin ja eher unterirdisch verdiene? Wie lässt sich meine Büchersucht finanzieren? Nun, zum einen bin ich eine begeisterte Bücherei-Gängerin, wie viele von euch bestimmt schon wissen. Egal, wo ich bislang auch gewohnt habe, den Bücherei-Ausweis habe ich mir immer sofort nach meinem Gang aufs Einwohnermeldeamt besorgt, manchmal sogar schon davor.

Zum anderen nutze ich gerne eine Internet-Tauschbörse für Bücher. Dort kann ich mich völlig hemmungslos mit neuem Lesestoff eindecken und muss dafür lediglich einige Bücher weitergeben, die ich bereits gelesen habe oder nie lesen werde (Bitte, schenkt mir nie Horror- oder Splatter-Bücher, das verträgt meine zarte Psyche einfach nicht!). Porto-Gebühren übernimmt immer der Versender der Bücher und das war’s dann auch schon an Kosten. Echt praktisch, oder?


🤪 Autoren-Klischees #3: “Schriftsteller kritzeln andauernd wirre Sachen nieder!” 🤪

Ja, das weiß doch wirklich jeder – Autoren sind ein Völkchen für sich. Da kann es schon mal passieren, dass sie mitten in einem Gespräch plötzlich den Notizblock zücken und unbedingt etwas aufschreiben müssen. Oder nachts um drei Uhr aus dem Bett springen, weil sie auf einmal noch etwas im Internet recherchieren müssen. Oder im Supermarkt aus heiterem Himmel zu kichern anfangen, weil die Ketchupflaschen im Regal die Inspiration zu einer urkomischen Idee geliefert haben. Was natürlich sofort per Kugelschreiber auf dem Handrücken verewigt werden muss, weil gerade kein Fetzen Papier in der Nähe ist …

Und was soll ich sagen? Zumindest in meinem Fall ist dieses Klischee nichts als die reine Wahrheit!

Ein Teil meines Unterbewusstseins ist nämlich immer in meinen fantastischen Welten gefangen. Also verwandelt sich der gerade errichtete Bauklötzchen-Turm mir nichts, dir nichts in ein orientalisches Schloss, wo meine Protagonisten einen Scheich bestehlen müssen und eine ganz und gar ungewöhnliche Kreatur kennenlernen – schnell aufschreiben! Am Kaffeetisch kabeln sich meine Lieben und ich muss still vor mich hin grinsen, weil sich in meinem Kopf gerade meine Helden ebenfalls um ein Stück Kuchen zanken und dann rasch zu einem non-verbalen Schlagabtausch übergehen – schnell aufschreiben! Und nachts wache ich auf, rufe “Thrombozyten, genau, die habe ich gemeint!” und stürze mich an den Computer, um nachzusehen, ob das auch wirklich das Wort war, nach dem ich den ganzen Tag über gesucht habe. Falls ja, gilt natürlich: schnell aufschreiben, sonst habe ich es bis zum nächsten Morgen wieder vergessen! Und als ich eben im tristen Regen durch die Straßen nach Hause gelaufen bin, wer ist da plötzlich mit schmerzendem Herz neben mir hergeschlappt? Meine unglückliche Prota, die sich mit ihrem Schatz über eine Nebensächlichkeit gestritten hat – muss ich jetzt unbedingt aufschreiben!

Mein Mann schüttelt über meine spontanen, geistigen Abwesenheiten übrigens schon lange nicht mehr den Kopf. Er ist zufrieden, so lange ich ihm jeden Tag neuen, fantastischen Lesestoff für seine Bahnfahrt liefere.

Also, meine Lieben, wenn ihr das nächste Mal jemandem begegnet, der tief in Gedanken versunken Grimassen schneidet und dann schnell eine Notiz in sein Smartphone eintippt – schleicht euch bitte ganz, ganz leise an ihm vorbei. Es könnte ein Autor sein, der gerade nur für euch einen neuen Roman entwirft. Und wenn ihr zu laut seid, ist die tolle neue Idee *plopp* wieder verschwunden …


🤪 Autoren-Klischees #4: “Schriftsteller entscheiden selbst über die Covergestaltung, den Preis, die Vertonung etc. ihrer Bücher!” 🤪

Im Selfpublishing kann natürlich jeder Autor sein Buchcover ganz nach seinem eigenen Geschmack bestimmen. Auch den Preis für sein Werk kann er eigenständig festlegen und – sofern er das nötige Kleingeld besitzt – kann er sein Werk auch als Hörbuch produzieren lassen.

Bei Bestseller-Autoren gibt es solche Hörbücher in der Regel natürlich auch und zwar ohne dass der Autor die Produktion bezahlen muss. Und seine Buchcover werden meist ganz individuell nach dem Inhalt des Buchs angefertigt, insofern hat der Bestseller-Autor auch ein großes Mitspracherecht an der Covergestaltung.

Für die meisten gewöhnlichen Verlagsautoren gilt jedoch: Der Verlag legt das Cover fest, entscheidet über den Buchpreis und vergibt auch alle sonstigen Lizenzen, zum Beispiel für die Hörbuchproduktion.
Der Autor kann selbstverständlich fragen, ob sein Buch nicht für 13, 95 Euro verkauft wird anstatt für 9.95 Euro, weil er ohnehin kaum etwas daran verdient (vgl. Autoren-Klischee #1). Doch falls der Verlag eine strikte Preispolitik verfolgt, dass alle veröffentlichten Bücher unter zehn Euro kosten sollen, wird diese Anfrage wenig bringen. Das Gleiche gilt, falls der Autor gerne ein sehr aufwendig gestaltetes, individuelles Cover im Wert von mehreren hundert Euro für seinen Roman hätte, der Verlag allerdings nur mit den Kosten für ein Stockfoto und kleineren Anpassungen kalkulieren kann. Und Hörbücher, T-Shirts und Kugelschreiber mit Figuren aus der entworfenen Lesewelt wird es, wenn überhaupt, nur bei entsprechend hohen Verkaufszahlen geben. Denn nur dann ist abzusehen, dass diese Produkte sich auch wirklich als rentabel erweisen werden.

Wenn ihr also wissen wollt, ob es womöglich irgendwann einmal ein “Seday Academy”-Hörbuch geben wird – ich wäre darüber ebenso glücklich wie ihr! 😍 Aber da ich nicht das nötige Kleingeld besitze und die Vertonungsrechte zudem an meinen Verlag abgetreten habe, ist es leider nicht meine Entscheidung. Falls ihr mir eine Nachricht schickt, wie toll ihr eines meiner Buchcover findet, freut mich das sehr, denn ich liebe sämtliche meiner Cover. Bis auf kleine Änderungen habe jedoch nicht ich darüber entschieden. Insofern könnt ihr natürlich auch gerne verlangen, dass ich andere Cover für meine Bücher auswähle, aber diesen Wunsch werde ich euch wohl leider nicht erfüllen können. 😉

Aber welchen Wunsch ich euch auf jeden Fall erfüllen kann, ist jener nach vielen, vielen weiteren Geschichten von mir! Und deswegen werde ich nun auch wieder fleißig an meinem nächsten Manuskript schreiben … Macht’s gut, ihr Lieben!

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